Das Lied
um die Torte:

Monica Reyes hat den Wiener Ton getroffen. Hören Sie selbst:

Home Kontakt

In diesem Blog finden Sie Verschiedenes: zum Beispiel Tipps für Veranstaltungen, die Geschichte des Monats, ein Zitat, einen Witz – informativ, humorig, weise, traurig, sinnig, unsinnig, rätselhaft, komisch – gute Unterhaltung!

Die "Schwiegermutter Europas" wird 300 Jahre alt

Maria Theresia war eine beeindruckende Frau, die mit dreiundzwanzig Jahren an die Regierung kam - zum vierten Mal schwanger. Trotz enormer Widerstände der Großmächte gelang es ihr mit Willensstärke und Beharrlichkeit sowie der Hilfe zahlreicher kluger Berater den Staat komplett zu reformieren und den Weg zur Modernisierung zu ebnen. Sie durfte den Mann ihres Herzens, Franz Stephan von Lothringen, heiraten und gebar sechzehn Kinder. Obwohl nicht gekrönte Kaiserin regierte sie ihre Länder besser als so mancher gekrönte Kaiser.

Heute würde man sagen, sie hat Familie und Beruf wunderbar in Einklang miteinander gebracht.

Ein eher unbekanntes Detail dieser Herrscherin war, dass der Maria-Theresien-Taler, eine Silbermünze, sich als Zahlungsmittel so sehr bewährte, dass er bis ins 20. Jahrhundert in Gegenden des Nahen und Mittleren Ostens verwendet wurde. Das Bild einer Frau auf einer Münze im arabischen Raum ist wohl eine Besonderheit. Aufgrund des Bildes (Doppeladler auf der Rückseite) wurde der Taler auch "Abu Kush" - Vater des Vogels - oder "Abu Nockte" - Vater der Perlen (das Diadem Maria Theresias hatte Perlen) genannt.

Dezember 2016: Fröhliche "Weihnukka!

In diesem Jahr fallen das christliche Weihnachtsfest und das jüdische Lichterfest, Chanukka, zeitlich zusammen. Chanukka erinnert an die Wiedereinweihung des zweiten jüdischen Tempels in Jerusalem nach dem Sieg der Makkabäer über die Seleukiden (164. v.Chr.). Die Makkabäer wollten den Tempel mit dem sieben-armigen Leuchter Menora neu weihen, hatten aber nur geweihtes Öl für einen Tag. Die Wunderlegene erzählt, dass der Leuchter acht Tage brannte. Daher hat der Canukka-Leuchter acht Arme, der neunte ist der "Diener", der den anderen Feuer gibt. Die Feierlichkeiten finden heuer vom 25.12.-1.1. im Kreise der Familie statt, wo aus der Tora gelesen wird und die Kinder kleine Geschenke bekommen. Nach Einbruch der Dunkelheit wird täglich eine Kerze des Chanukka-Leuchters angezündet.
Im 19. Jahrhundert übernahmen manche jüdische Familien auch weihnachtliche Traditionen, zum Beispiel einen geschmückten Baum, und es kam zu einer Vermischung der beiden Feste. Spöttisch nannten Zeitgenossen dies "Weihnukka". So wurde sogar der erste historisch gesicherte Weihnachtsbaum in Wien 1814 von der jüdischen Salondame Fanny Arnstein aufgestellt, die den Brauch aus Berlin mitgenommen hatte.
Trotz Unterschiedlichkeiten und Kritik wünsche ich allen ein "Friedliches Weihnukka"!

Herbst 2016: Der falsche Präsident

Am 24. April 2005 erwiesen 200 Staats- und Regierungschefs Benedikt XVI nach dessen Inthronisation ihre Reverenz. Protokollbeamte wollten ihn hinauswerfen, da der kolumbianische Präsident den Papst angeblich schon begrüßt hätte. Das Missverständnis wurde schließlich geklärt. Ein bis heute Unbekannter hatte sich in die Delegation eingeschlichen und als kolumbianischer Staatschef ausgegeben.

"Präsidenten-Schlampereien" gab es offenbar schon früher, da allerdings nicht in Österreich.

Der Sommer ist endlich da - Grillen ist angesagt

Ein weise Geschichte über das Grillen und den Klang des Geldes

Nasreddin Hodscha kam an einer Gaststube vorbei, wo der Wirt auf einem Rost vor dem Haus Lammfleisch grillte.
Gerade war der Wirt dabei, einen Bettler am Kragen zu packen, ihn zu schütteln und auf ihn einzuschimpfen.
"Warum schimpfst Du den armen Kerl?" fragte Nasreddin den Wirt.
"Dieser Bettler hat ein Stück Brot so lange über meinen Grill gehalten, bis es nach Lammfleisch roch, und dann mit Genuss gegessen", schrie der Wirt. "Und jetzt will er nicht dafür bezahlen."
"Stimmt das?", fragte Nasreddin den Bettler.
"Ja. Aber ich habe das Fleisch nicht einmal berührt", verteidigte sich der Bettler. "Ich wollte nur den Geruch einfangen."
"Hast Du Geld bei Dir?", fragte Nasreddin.
"Nur ein paar Münzen, die ich mir erbettelt habe", sagte der Mann.
"Dann gib sie her", befahl Nasreddin.
Zögernd reichte ihm der Bettler die Münzen. Nasreddin warf sie vor dem Wirt auf den Holztisch. Aber bevor der Wirt danach greifen konnte, hatte Nasreddin die Münzen schon wieder an sich genommen und sie dem Bettler zurückgegeben.
"He, was soll das?", fragte der Wirt. "Wieso nimmst Du mir das Geld wieder weg?"
"Hast Du den Klang der Münzen gehört?", fragte Nasreddin.
"Natürlich hab ich ihn gehört", antwortete der Wirt.
"Ich bin ja nicht taub".
"Dieser Bettler hat Dir den Geruch Deines Essens mit dem Klang seine Geldes bezahlt. Ihr sei quitt!, sagte Nasreddin, ließ den verdutzten Wirt stehen und ging mit dem Bettler davon.
(aus Geschichten von N. Hodscha)

Frühling 2016: Der Frühling kommt...

Der Frühling kommt und so manche Frau will wieder besonders schön sein. Krampfadern gelten allgemein eher als unschön und lästig. Dabei lassen sie sich - sofern die Frau, die unter ihnen leidet, gerne vollere Lippen hätte - durchaus sinnvoll verwenden. Eine österreichische Schönheitschirurgin hat nämlich ein Operationsverfahren entwickelt, bei dem sie die entfernten Venen in die Lippen einpflanzt und diesen damit mehr Volumen verleiht. Die Krampfadern werden dabei in kleine Streifen geschnitten und mithilfe einer Nadel unter die Haut der Lippen gespritzt. Angeblich hat die Methode gegenüber der Verwendung von GORE-TEX oder schaumstoffartigen Materialien den Vorteil, dass keine unschönen Knoten entstehen. Hübsche Beine und ein verführerischer Kussmund - und das alles in einem Aufwaschen! - NEIN DANKE!
(aus: Medizinisches Kuriosenkabinett)

Jänner 2016: Das Paradox unserer Zeit - eine kluge Geschichte zum Jahreswechsel

Das Paradox unserer Zeit ist:
Wir haben hohe Gebäude, aber eine niedrige Toleranz, breite Autobahnen, aber enge Ansichten. Wir verbrauchen mehr, aber haben weniger, machen mehr Einkäufe, aber haben weniger Freunde. Wir haben größere Häuser, aber kleinere Familien, mehr Bequemlichkeit, aber weniger Zeit, mehr Ausbildung, aber weniger Vernunft, mehr Kenntnisse, aber weniger Hausverstand, mehr Experten, aber auch mehr Probleme, mehr Medizin, aber weniger Gesundheit.(...)

Wir haben dem Leben Jahre hinzugefügt, aber nicht den Jahren Leben. Wir kommen zum Mond aber nicht mehr an die Tür des Nachbarn. Wir haben den Weltraum erobert, aber nicht den Raum in uns. Wir machen größere Dinge, aber keine Besseren.(...)

Es ist die Zeit des schnellen Essens und der schlechten Verdauung, der großen Männer und der kleinkarierten Seelen, der leichten Profite und der schwierigen Beziehungen.(...)

Findet Zeit, Euch zu lieben, findet Zeit miteinander zu sprechen. Findet Zeit, alles, was Ihr zu sagen habt miteinander zu teilen, denn das Leben wird nicht gemessen an der Anzahl der Atemzüge, sondern an der Anzahl der Augenblicke, die uns des Atems berauben.
(Verfasser: Bob Moorehead)

Herbst 2015: Das gerechte Urteil

Zwei Beamte von Nasreddin waren in Streit geraten, kamen zu ihm und sagten: "Wir können uns nicht einigen, wer von uns beiden recht hat. Bitte, entscheide Du und sprich ein gerechtes Urteil."
"Lasst hören, worum es geht," sagte Nasreddin. Und zu dem einen sagte er: "Fang an!"
Der erzählte lang und breit den Fall.
Nasreddin hörte sich alles an und sagte: "Du hast recht."
Jetzt ergriff der Zweite das Wort und schilderte seine Sicht.
Nasreddin hörte auch ihm zu und sagte: "Du hast recht."
Nasreddins Frau, die dabei war und alles mitgehört hatte, sagte zu Nasreddin: "Lieber Mann, wie kann denn der eine, der sich beschwert hat, recht haben und der andere auch? Das geht doch nicht!"
Nasreddin sagte: "Du hast recht!"
(Orientalische Weisheiten)

Das Fischen

Gibst Du jemandem einen Fisch,
nährt er sich nur einmal.
Lehrst Du ihn das Fischen,
nährt er sich für immer.
(Orientalische Weisheiten)

Sommer 2015: "Im Schweiße Deines Angesichts"

Endlich ein heißer, schöner, richtiger Sommer! Es wird aber trotzdem gejammert und vielen, vor allem, denen, die im 'Schweiße ihres Angesichts' arbeiten müssen, ist es langsam zu viel.
Woher kommt der Ausdruck eigentlich? Wieder einmal muss der Sündenfall herhalten: Adam und Eva hatten es schwer. Zuerst wurden sie wegen des Apfels aus dem Paradies vertrieben, dann drohte Gott mit einem fürchterlich anstrengenden Leben und sagte zu Adam:
"Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde werdest" (1. Moses 3,19)
Also, freuen wir uns des Lebens, denn solange wir schwitzen, leben wir noch.

Juni 2015: Kardinal König und "seine Frau"

Franz König bewies schon als Domkurat in St. Pölten zu Kriegsende Zivilcourage. Er bot nicht nur dem NS-Regime, sondern auch den Sowjetbesatzern die Stirn. Der Seelsorger protestierte in Russisch gegen Übergriffe der Rotarmisten, vor allem gegen Frauen. Als man ihm sagte, ein "Frauenverbot" würde die Kampfkraft der Truppe schwächen, griff er zur Selbsthilfe. Er versteckte die Frauen in der Nähe der Orgelpfeifen, begleitete Krankenschwestern täglich von der Rotkreuzstation zum Spital.
"Die Krankenschwestern haben mich gebeten, in der Nacht zu bleiben, damit sie nicht die Russen holen. Ich habe mich gleich auf die erste Pritsche gelegt. Um Mitternacht weckte mich ein Rotarmist. Er deutete auf die Pritsche neben mir und rief: 'Ich will diese Frau'. Was macht man in so einer Situation? Der Mann im Talar erklärte mit dem Mut der Verzweiflung: "Das ist meine Frau." Der Sowjetsoldat entschuldigte sich und ging.
(aus: Kirche zum Nachdenken, D. Kindermann)

Mai 2015: Kindermund

"Bei einer Predigt hab ich den Kindern den Beichtstuhl gezeigt", erinnert sich Pater Thomas, "und gesagt: 'Schaut's, da geht ein Sünder rein und kommt ein Heiliger heraus.' Steht der kleine Franzi auf und fragt: "Du, Pater Thomas, geht das auch umgekehrt?"
(aus: Kirche zum Schmunzeln)

April 2015: Wer will Teil einer Skulptur werden?

Im Stephansdom kann man sich in der Fastenzeit künstlerisch betätigen. Am großen Gitter in der Kirche ist ein Kubus einer Skulptur aufgestellt, an den man sein "Himmelsanliegen" anbringen kann. Wenn der Kubus voll ist, wird er an die Fastenskulptur des Hochaltars eingebaut und ein neuer Kubus mit Anliegen bestückt. Somit entsteht ein Kunstwerk, das von den BesucherInnen mitgestaltet wird.
Der Künstler Stefan Knor beleuchtet die Kuben jeden Tag mit anderem Licht, sie werden von Mal zu Mal dichter durch das Mitgestalten der Menschen. Am Karsamstag wird die Skulptur abgebaut und ab Ostermontag zu einer abstrakten Himmelsleiter. Ein spiritueller Augenschmaus!

Februar 2015: Eine Frage der Perspektive

Nasreddin ging am Ufer eines Flusses spazieren. Da sah er auf der anderen Seite einen Freund, der dort spazieren ging. Nasreddin winkte ihm zu.
Der Freund winkte zurück und rief: "Wie komme ich auf die andere Seite?"
"Du bist doch schon auf der anderen Seite", rief Nasreddin zurück.
(aus: Geschichten von Nasreddin Hodscha)

Jänner 2015: Von der Zeit

Ihr wollt die Zeit messen, die maßlose und unermessliche. Nach Stunden und Jahreszeiten wollt ihr euren Wandel richten und sogar den Lauf des Geistes lenken.
Aus der Zeit wollt ihr einen Strom machen, an dessen Ufer ihr sitzt und zuschaut, wie er fließt.
Doch das Zeitlose in euch ist sich der Zeitlosigkeit des Lebens bewusst und weiß, dass Gestern nichts anderes ist als die Erinnerung von Heute und Morgen der Traum von Heute.
Lasst das Heute die Vergangenheit mit Erinnerung umschlingen und die Zukunft mit Sehnsucht.
(Auszug aus: Der Prophet, Khalil Gibran)

Dezember 2014: Punch-Lied von Friedrich Schiller

Vier Elemente, innig gesellt,
bilden das Leben, bauen die Welt.
Presst der Zitrone saftigen Stern!
Herb ist des Lebens innerster Kern.
Jetzt mit des Zuckers linderndem Saft
zähmet die herbe brennende Kraft!
Gießet des Wassers sprudelnden Schwall,
Wasser umfänget ruhig das All.
Tropfen des Geistes gießet hinein,
Leben dem Leben gibt er allein.

November 2014: A scheene Leich

Wenn der Wiener vom Sterben spricht:
Er hat an Abgang g'macht
Er hat si d'Schleif'n geb'n
Er hat si den Holzpyjama anzog'n
Er hat a Bankl g'rissn
Er hat die Bock aufg'stellt
Er hat die Stuf'n packt
Er hat's ummebog'n
Er hat die Patschn g'streckt
Er hat si niederg'legt
Tipp: Ein echtes Wienerlied, Extremschrammeln

Die "wahre" Ursache für das Ende der Habsburgermonarchie

Nicht der Erste Weltkrieg ist schuld am Ende der Monarchie, sondern angeblich der Menageriedirektor des Schönbrunner Tiergartens Alois Kraus. Nach der Meinung einiger Mystiker und Numerologen ist er deswegen für den Untergang des Vielvölkerstaates verantwortlich, weil er beim Umbau des Zoos Baumringe und Kraftlinien zerstört hat. Der Ehemann Maria Theresias, Franz Stephan, hatte sie nach geheimwissenschaftlichen Plänen zur Stärkung des Hauses Habsburg im 18. Jahrhundert errichten lassen. Wer's glaubt....

Sommer 2014: Strom-, Luft- und Sonnenbad - wo man vor 100 Jahren in Wien baden ging

Der Donaukanal wurde nach dem 1. Weltkrieg zum beliebten Freizeitareal. Man saß auf er sonnenbegünstigten Südseite und genoss das damalige "Donaukanaltreiben". Das Wasser war zwar nicht einladend, aber so mancher sprang - zunächst verbotenerweise - hinein und war nachher meist schmutziger als vorher. Ein beliebter Badeplatz war die Wienflusseinmündung. Der "rasende Reporter" Egon Erwin Kisch beschrieb die Szenerie in den 20-iger Jahren ausführlich.

Durch die Wirtschaftskrise wurden die Böschungen zunehmend von ärmeren Bevölkerungsschichten aufgesucht. Obdachlose tummelten sich am Wiener Wasser. Man nannte daher einen Teil des Donaukanals "Riviera der Arbeitslosen". Luft, Sonne und Wasser kosteten nichts. Langsam wurden Strombäder von der Stadt Wien mit Umkleidekabinen, Dusch- und Sandplätzen errichtet.
Im Sommer 2014 schwimmt man hier wieder, allerdings nicht im, sondern am Donaukanal und genießt das Planschen im sauberen, blauen Wasser des Badeschiffs - mit Cocktail dazwischen.

Juni 2014: "I wer' narrisch!"

Am 12. Juni startet die Fußball-WM in Brasilien und Österreich ist wieder nicht dabei. Es gab aber schon andere Zeiten, wo unser Land Fußballgeschichte schrieb zum Beispiel mit dem Mittelstürmer Matthias Sindelar. Man nannte ihn den "Papierenen", weil er so dünn war. Wie eine Feder schwebte er über das Spielfeld und war ein geborener "Wuchtldrucker".
Wir "feiern" außerdem das "Jubiläum 1954-2014": Beim Länderspiel gegen die Schweiz bei der WM 1954 durften die Fans 12 Tore erleben. Österreich gewann mit 7:5!!! Der erfolgreichste Torschütze in Österreich war allerdings Franz Binder. Zwischen 1930 und 1950 schoss er 1006 Tore. Das waren noch Zeiten. Aber da war doch noch etwas: Cordoba....

PS: Erklärung für Nicht-Einheimische - die "Wuchtl" ist ein Wiener Spezialausdruck für das runde Leder im Fußball. Es ist aber auch eine "Auszeichnung" für einen witzigen Sager.

Mai 2014: "Mailüfterl" - einmal anders

"Wie lieblich ist der Maien...". Die Natur ist voll in Blüte, die Sonne ist manchmal schon kräftig, und wir freuen uns über das eine oder andere Mailüfterl.
Es gibt allerdings ein ganz besonderes Wiener Mailüfterl. Das ist nämlich ein Transistorencomputer, zu sehen im Technischen Museum. Der Erfinder Heinz Zemanek wurde damit Ende der 50iger Jahre zum Vorreiter der Computerwissenschaft. Er entwickelte einen der ersten Computer weltweit und nannte ihn "Mailüfterl". Nachdem man damals führende Maschinen nach Winden benannt hat, die Leistung des Wiener Rechners etwas ausgebremst war, entstand der Name. Es gab weder Tastatur noch Bildschirm, das Ganze funktionierte noch mit Lochstreifen. Zemaneks "Mailüfterl" hat mitgeholfen, die Computertechnik in Österreich zu etablieren.

April 2014: Der Kaiser wäscht fremde Füße

Franz Joseph und Elisabeth wuschen jedes Jahr am Gründonnerstag 12 alten Frauen und Männern die Füße. Damit wollte das Kaiserpaar die Demut der Habsburger symbolisieren. Die zwischen 88 und 92 Jahre alten Personen wurden vorher untersucht, gewaschen und schwarz gekleidet. Danach ging man gemeinsam zur Kirche und beging ein Schaugericht. Die Speisen wurden nicht vor Ort gegessen, sondern den Teilnehmenden mit nach Hause gegeben. Der letzte Akt war die Fußwaschung. Kaiser und Kaiserin knieten vor den alten Menschen, wuschen und trockneten ihre Füße. Zum Abschluss bekamen alle je 30 Silbermünzen sowie Weinkrüge und Becher aus grünem Steingut und wurden mit einer Hofkutsche nach Hause gebracht.

März 2014: Die Frau im Schatten des Mannes

Elias Canetti - dieser Schriftsteller ist sehr bekannt, aber wer kennt seine Frau?
Veza Canetti, deren klingender Name eigentlich Venetiana Taubner-Calderon war, wurde 1897 in Wien geboren. Sie gab Unterricht unter anderem in einem Privatgymnasium und lernte in den zwanziger Jahren Elias Canetti kennen. Die große Belesenheit und Intelligenz seiner Freundin beeindruckte den um acht Jahre jüngeren Canetti sehr. Sie wurde seine Partnerin in philosophischen und literarischen Fragen und 1934 seine Ehefrau.
Veza wurde inspiriert von Geschichten aus dem Leben und begann darüber zu schreiben. Sie widmete sich besonders dem Thema Gewalt gegen Frauen und gab den vielen lautlos Unterdrückten eine Stimme. Sie schrieb unermüdlich über Ungerechtigkeit. 1938 musste sie wegen ihrer jüdischen Herkunft mit ihrem Mann aus Österreich flüchten. In der Emigration schrieb sie in englischer Sprache weiter. Sie blieb politisch engagiert, fand allerdings in Zeiten des Kalten Krieges wenig Achtung ihrer Prosa. Vermehrt stützte sie ihren Mann in seinen literarischen Werken und blieb letztlich mit ihrer Arbeit in seinem Schatten.

Beispiele literarischer Lichtblicke von Veza Canetti sind die Romane "Die Gelbe Straße" und "Die Schildkröten".

Zum Schmunzeln

Ein Polizist hält einen Mann, der ohne Ausweis in der Nacht auf den Straßen unterwegs ist, auf und fragt ihn:
Wo wohnst Du?
Ich wohne bei meinem Bruder.
Und wo wohnt Dein Bruder?
Bei mir.
Und wo wohnt Ihr beide?
Beieinander.

Februar 2014: Valentin und die Blumen

Happy Valentine - so heißt es wieder am 14. Februar. In vielen Ländern freuen sich die BlumenverkäuferInnen über gute Geschäfte. Seit einiger Zeit werden auch vermehrt Dessous und Schmuckstücke an diesem Tag verschenkt. Wenn der Heilige das wüsste...

Aber was steckt eigentlich dahinter, wie kam Valentin zu den Blumen, und wer war er eigentlich?

Valentin kam zu den Blumen wie die Jungfrau zum Kind. Der Heilige belebt seit den Aufbaujahren nach dem Zweiten Weltkrieg die tote Saison der FloristInnen, s'Herzerl aus Papier kommt auch dazu und schon ist der Liebesbeweis perfekt. Fleurop Frankreich und Belgien lieferten dafür den Impuls. Dort wurden schon im Mittelalter Liebesgaben zum Valentinstag verschenkt.

Der Kult um den Bischof von Terni kam im 4. Jahrhundert auf. Er starb wie so viele um 270 den Märtyrertod. Die Legende sagt, dass Valentin junge Leute besuchte, ihnen Blumen aus seinem Garten schenkte und Brautleuten Glück in der Ehe brachte. Durch die zahlreichen Eheschließungen, in denen alle das Glück von Valentin ersehnten, legte er einen Tag im Jahr fest, an dem er Massentrauungen vornahm - der Valentinstag war geboren.

Es gab aber auch einen Wanderbischof namens Valentinus, der Schutzpatron für an Epilepsie Leidende war. Später ging das Patronat an den Bischof von Terni über. Irgendwann entstand dann die Legende für Verliebte. Dann gab es noch eine dritte Version, aber die folgt vielleicht ein anderes Mal.

Jänner 2014: Über den Neuanfang

Mache Ordnung, wo Durcheinander herrscht. Bring Gleichgewicht in die Zwietracht. In allen Schwierigkeiten liegen auch immer Möglichkeiten. (Albert Einstein)

Dezember 2013: Ein etwas anderes Weihnachtslied - "chemisch gereinigt"

Erich Kästner
(nach der Melodie: Morgen, Kinder, wird's was geben)

Morgen, Kinder, wird's nichts geben!
Nur wer hat, kriegt noch geschenkt.
Mutter schenkte euch das Leben.
Das genügt, wenn man's bedenkt.
Einmal kommt auch eure Zeit.
Morgen ist's noch nicht so weit.

Doch ihr dürft nicht traurig werden.
Reiche haben Armut gern.
Gänsebraten macht Beschwerden.
Puppen sind nicht mehr modern.
Morgen kommt der Weihnachtsmann.
Allerdings nur nebenan.

Lauf ein bisschen durch die Straßen!
Dort gibt's Weihnachtsfest genug.
Christentum, vom Turm geblasen,
macht die kleinsten Kinder klug.
Kopf gut schütteln vor Gebrauch!
Ohne Christbaum geht es auch.

Tannengrün mit Osrambirnen -
lernt drauf pfeifen! Werdet stolz!
Reißt die Bretter von den Stirnen,
denn im Ofen fehlt's an Holz!
Stille Nacht und Heilige Nacht -
weint, wenn's geht, nicht! Sondern lacht!

Morgen, Kinder, wird's nichts geben!
Wer nicht kriegt, der kriegt Geduld!
Gott ist nicht allein dran schuld.
Gottes Güte reicht so weit...
Ach, du liebe Weihnachtszeit!

November 2013: "Im Begraben, da sind sie groß"

Man sagt der Wiener Bevölkerung einen Hang zum Morbiden nach, sie hätte ein besonderes Verhältnis zum Tod. Zu dieser tatsächlichen oder vermeintlichen Faszination an der "schönen Leich" passt im November folgender Text von Hermann Bahr (1863-1934):

"Wer verstehen will, wie der Wiener lebt, muss wissen, wie man ihn begräbt, denn sein Dasein ist innigst mit jenem Nimmersein verwoben, von dem er in unzählig fröhlich-traurigen Liedern zu singen weiß. Spanisches Erbe des Vertrautseins mit dem Jenseits, imperiale Erkenntnis, dass vor dem Tode alle gleich sind, barocke Freude am Prunk über das Grab hinaus, katholische Einsicht, dass es etwas weit Besseres gibt als dieses Leben - aus Tradition und Religion erwächst die kindlich-naive Freude des Wieners an der schönen Leich: "Wann i amal, stirb, stirb, stirb, müassen mi d'Strizzi tragn und dabei Zithern schlagen..."